Eröffnung des 87. Deutschen Archivtages

Der VdA-Vorsitzende Ralf Jacob hat am Abend des 27. September den 87. Deutschen Archivtag in Wolfsburg eröffnet. Nach verschiedenen Grußworten stand der Eröffnungsvortrag von VW-Manager Johan Jungwirth im Zentrum der Veranstaltung. Der Einladung zur Eröffnung im CongressPark Wolfsburg waren viele Gäste aus der Landes- und Lokalpolitik sowie Vertreter der Kultur und Wirtschaft gefolgt.

Blickt optimistisch in die Zukunft: Volkswagen-CDO Johan Jungwirth. Foto: VdA

Als Chief Digital Officer der Volkswagen AG schilderte Jungwirth den Weg ins digitale Zeitalter am Beispiel seines Unternehmens. Dabei zeichnete er ein optimistisches Bild der Zukunft, welches durch die Errungenschaften der Digitalisierung geprägt ist. Jungwirth prognostizierte, dass sowohl in der Automobilindustrie als auch generell die Bedeutung von Software immer weiter zunimmt und schon bald dominierend sein wird. Für alle Beteiligten müsse bei dieser Entwicklung immer gelten: der Mensch steht im Mittelpunkt – erst danach käme das digitale Produkt und dann die digitalen Unternehmen bzw. Institutionen.Weiterlesen

Rückblick: Medienresonanz

Der 87. Deutsche Archivtag 2017 ist vorüber. Gut 50 Einzelveranstaltungen in drei Tagen bot das Programm den TeilnehmerInnen. Besprochen und diskutiert wurde der Kongress von diesen in den sozialen Netzwerken, doch auch die klassischen Medien berichteten. Ein kurzer Rückblick auf die Medienresonanz zum Kongress in Wolfsburg.

Noch am Abend des 27. Septembers erschien in der Online-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung und ihren lokalen Versionen Helmstädter Nachrichten und Wolsburger Nachrichten ein Artikel zur Eröffnungsveranstaltung des Archivtags:

Der Artikel der Braunschweiger Zeitung/ Wolfsburger Nachrichten kann hier online abgerufen werden: Wie die Welt durch Digital-Archive besser wird

Ebenfalls der Eröffnungsveranstaltung widmeten sich zwei Artikel in der Printausgabe der Wolfsburger Allgemeinen vom 28. September: „Sie und wir können die Welt verbessern“ [zum Vortrag von Johan Jungwirth]

Gar nicht angestaubt: 700 Archivare aus aller Welt in Wolfsburg [zu Eröffnung und Kongress allgemein]Weiterlesen

Forum Ausbildung und Berufsbild

Ein Gastbeitrag von Kirsten Lehmkuhl

Das Forum „Ausbildung und Berufsbild“ fand in Wolfsburg mit seinen bewährten Bausteinen statt: der Podiumsdiskussion und der Vorstellung von Abschlussarbeiten aus den drei Archivlaufbahnen. Diesmal allerdings in anderer Reihenfolge, um der Podiumsdiskussion mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

„Wer macht denn eigentlich was? Berufsgruppen im Alltag zwischen Konkurrenz und Kooperation“ diskutiertem die drei Podiumsteilnehmer Kirsten Dehne (Münster), Vera Zahnhausen (Koblenz) und Vinzenz Lübben (Minden) als Vertreter der drei Laufbahngruppen. In der kurzweiligen Plenumsdiskussion wurden verschiedene Punkte angesprochen: Man war sich darüber einig, dass der Konkurrenzgedanke unter den Archivlaufbahnen (zumindest in ihren Archiven) keine Rolle spielt.

Neben der Podiumsdiskussion gab es Vorstellungen von Projekten und Abschlussarbeiten. Foto: VdA

Mitarbeiter vor allem des mittleren und gehobenen Dienstes würden jedoch bei gleichbleibender Bezahlung vermehrt übergeordnete Aufgaben wahrnehmen. Zu beobachten sei eine kritische Entwicklung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, da es immer häufiger zu Bewerbungen von Studienabsolventen auf Ausbildungsstellen im mittleren Dienst komme. Vera Zahnhausen äußerte daraufhin abschließend den Wunsch, dass starre Laufbahnrecht im Öffentlichen Dienst aufbrechen zu können um eine vereinfachte Durchlässigkeit in der Archivlandschaft zu ermöglichen.Weiterlesen

Interview mit Alexander Herschung

Beim 87. Deutschen Archivtag ist der Software-Hersteller Startext bereits zum wiederholten Male Sponsor des Kongresses. Wir haben mit Inhaber und Geschäftsführer Alexander Herschung gesprochen.

Startext Inhaber & Geschäftsführer Alexander Herschung

VdA: In den vergangenen Jahren war Startext in unregelmäßigen Abständen bei verschiedenen Fachtagungen präsent. Der Deutsche Archivtag mit der Fachmesse ARCHIVISTICA ist für Sie ein fester Jahrestermin – was ist aus Ihrer Sicht das Alleinstellungsmerkmal der ARCHIVISTICA?

A.H.: Die Menge und Vielfältigkeit sowohl der Besucher, als auch der Vortrags- und Workshopthemen, sowie der teilnehmenden Aussteller zeichnen die Archivistica aus. Anregende archivfachliche Gespräche und Veranstaltungen sind ebenso garantiert, wie zahlreiche Kontakte zu unseren Kunden und Interessenten.

Ich verfolge in der startext eine eigene F&E-Strategie, wir  entwickeln  initiativ innovative Werkzeuge und Softwarekomponenten und freuen uns jährlich zur Archivistica auf die Gelegenheit, unsere Neuentwicklungen der Archivcommunity vorzustellen. In diesem Jahr präsentieren wir unser neuestes Produkt  COMO für die Übernahme unstrukturierter Dateisammlungen.

VdA: Das Archivwesen befindet sich in einem gewaltigen Wandel; in der Informationsgesellschaft wird der Dienstleistungsgedanke für die Archive immer wichtiger. Die Software muss ständig Schritt halten und entsprechend angepasst werden. Wünschen Sie sich nicht heimlich die Pionierzeit der Softwareanbieter zurück?Weiterlesen

„Ist das Archivgut – oder kann das weg?“

Sektionssitzung 2 zur Bewertung und Überlieferung von Massendaten und Massenakten.
Raimund Plache (sächsisches Staatsarchiv Chemnitz) führte in die Sektionssitzung ein, indem er den Titelfrage noch zuspitzte: „Sie wollen das doch nicht auch noch überliefern“. Eine Haltung gegenüber Massenakten, die auch dem deutschen Archivwesen nicht unbekannt war  – vgl. Stehkämpers „mißliebige Akten“.
Aktuell wird die Bedeutung von Massenakten nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt. Bei neuen Massenakten und -daten jedoch werden Archivwürdigkeit ermittelt, Quellenwert bemessen und eine wirtschaftlicher Bearbeitungs-Work-Flow erarbeitet.

Dr. Judith Matzke (Dresden): Zwischen Leistungsgewährung und Arbeitsvermittlung – Die Bewertungsfestlegungen für Unterlagen der Jobcenter (gE) im Sächsischen Staatsarchiv
Link zum Abstract


Nach dem Vermittlungsskandal in der Arbeitsverwaltung (2002), und den darauffolgenden Hartz-Reformen entstanden neue Strukturen in der Arbeitsverwaltung. Neben Agenturen für Arbeit wurden Jobcenter gebildet, die aus den 2005 gegründeten Arbeitsgemeinschaften (Arge) hervorgingen. Die Jobcenter zeichnen sich für die Leistungen nach dem Arbeitslosengeld II und für berufliche Wiedereingliederungsmaßnahmen verantwortlich.Weiterlesen

Bericht zur Sektionssitzung 1

Ein Gastbeitrag von Dr. Bastian Gillner

Sie sind traurige Realität in den meisten Archiven: Erschließungsrückstände, und davon meist eine ganze Menge. Sie entstehen durch eine hohe Arbeitsbelastung in den Archiven, die zu einer Priorisierung zwingt, welche aber zumeist nicht zu Gunsten der Erschließung ausfällt. Schließlich verursachen die ruhenden Bestände – im Unterschied zu den meisten anderen Aufgaben – erst einmal keinen Handlungsdruck. Möglichen Lösungen dieses Problems widmete sich die erste Sektionssitzung des Deutschen Archivtags 2017 unter dem Motto Im Rückstand – Was tun mit unseren „Altlasten“ und taugen unsere Standards?

Leiter Dr. Hans-Christian Herrmann und die Referentinnen. Foto: VdA

Jürgen Treffeisen vom Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe eröffnete mit einem Paukenschlag: Im Generallandesarchiv Karlsruhe läuft die Erschließung größtenteils über nicht-ständige MitarbeiterInnen, deren Zahl bis zu 25 beträgt. Vorwiegend handelt es sich dabei um Hilfskräfte, angefangen bei ungelernten 1-Euro-Kräften bis hin zu AkademikerInnen mit höheren tariflichen Entlohnungen. Eingestellt werden diese MitarbeiterInnen nicht aus sozialen Gründen, sondern weil sie gute Arbeit leisten können. Auf ihre Motivation wird schon bei der Einstellung geachtet.

Verantwortlich für das Arbeitsergebnis sind die archivischen Betreuer, die eine laufende Qualitätssicherung zu gewährleisten und damit ihre Führungsaufgaben wahrzunehmen haben. Ungeachtet einer regen Fluktuation der nicht-selbständigen Mitarbeiter werden diese in vollem Umfang in die archivische Arbeitswelt einbezogen, um ein Zugehörigkeitsgefühl sicherzustellen. Mit einem Arbeitsaufwand von wöchentlich 8-10 Stunden könne eine Führungskraft somit eine Erschließungsleistung von jährlich 500-700 laufenden Metern verantworten.Weiterlesen

Bericht zur Sektionssitzung 3

Ein Gastbeitrag von Dr. Antje Diener-Staeckling

„Automatisierung, wohin man blickt, aber in den Archiven und auch Bibliotheken wird noch viel im direkten Kundenkontakt erledigt.“ So führte Torsten Musial in die Sektion 3 ein. Welche Möglichkeiten die schöne neue Medienwelt liefern könnte, diesen Zustand zu ändern habe nicht zuletzt der Abendvortrag am ersten Veranstaltungstag gezeigt.

Es ist der heimliche Traum eines jeden Archivars, einer jeden Archivarin: Bei Massenakten muss nicht mehr jede Verzeichnungseinheit einzeln bearbeitet werden, sondern eine Software nimmt gleich ganze Akten-Gruppen auf. Genauso wird schon seit Jahren auf eine Software gehofft, die Handschriften entziffern kann. Die Entwicklungen der modernen Technik bieten nicht nur Möglichkeiten, sondern zeigen auch immer wieder neue Grenzen der Technik nicht nur im Archivbereich auf. Damit sei das Thema der 3. Sektion beim Deutschen Archivtag in Wolfsburg kurz umrissen.

Michael Aumüller vom Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim. Foto: VdA

Zu Beginn stellten Michael Aumüller und Ulrike Kühnle vom Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim das Projekt „Rationelle Erfassung und Verwaltung massenförmiger Unterlagen“ im Grundbucharchiv vor. Ausgang war zunächst eine Anfrage bei den Justizbehörden des Landes Baden-Württemberg, den Hauptnutzern des Archivs. Daran orientiert wurden seit Mitte 2012 bis 2017 die Aufgaben von 663 Grundbuchämtern in 13 Amtsgerichte überführt und auf elektronische Bearbeitung umgestellt. Als Folge werden alle Papierunterlagen im Zentralgrundbucharchiv zusammengeführt.Weiterlesen

Gemeinsame Arbeitssitzung

Ein Gastbeitrag von Dr. Philip Haas

Der zweite Tag des Kongresses in Wolfsburg begann direkt mit einer großen Veranstaltung. In der einzigen Gemeinsamen Arbeitssitzung des 87. Deutschen Archivtags wurde aus verschiedenen Perspektiven der Umgang mit Überlieferungsmassen beleuchtet.

Zu Beginn der Arbeitssitzung stellte die Sektionsleiterin grundlegende Überlegungen zum Thema des diesjährigen Deutschen Archivtages an. Das Problem der Massenakte sei nicht neu, aber die digitale Massenakte stelle die Archivlandschaft vor neue Herausforderungen. Ein Königsweg zur nachhaltigen Überlieferungsbildung und digitalen Langzeitarchivierung stehe bislang noch aus.

Stieß auf großes Interesse: Die Gemeinsame Arbeitssitzung. Foto: VdA

Katharina Tiemann und Dr. Peter Worm vom LWL skizzierten die Schwierigkeit, vor welche digitale Massenakten gerade kleinere Kommunalarchive stellten und präsentierten ein mögliches Lösungskonzept am Beispiel des elektronischen Bewertungsprogramms „Anlei“ . Die Umstellung von Papier- auf eAkten verlange neue Strategien der Überlieferungsbildung in Form digitaler Bewertungssysteme. Angesichts beschränkter Ressourcen ermögliche ein „intelligentes Überlieferungswerkzeug“ die effektive Überlieferungsbildung mittels verschiedener Marker und Schnittstellen zur Übernahme der Metadaten. Es bestehe ein erhebliches Rationalisierungs- und Automatisierungspotenzial, sofern die Archive sich auf die technischen Entwicklungen einließen.Weiterlesen

Veranstaltung des AK Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit

Ein Gastbeitrag von Martin Schürrer

Der Arbeitskreis „Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit“ erweiterte die Themenstellung „Massenakten und Massendaten“ beim diesjährigen Deutschen Archivtag um interessante Einblicke in die archivpädagogische Arbeit der Geschichtswerkstatt der Stadt Wolfsburg. Als außerschulischer Lernort besteht eine enge Kooperation der Geschichtswerkstatt mit Schulen der Stadt – von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II. 

Mit dem Vortragstitel „Ein Meer von Möglichkeiten“ präsentierten Christian Sielaf und Aleksander Nedelkovski die Vielzahl der Herausforderungen und Ziele, die sie im Rahmen ihrer historischen Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen verfolgen. Um den Schülern Lust auf Geschichte zu machen, müssten sie als Archivpädagogen den Mut mitbringen, sich auf die Themen und Sichtweisen der Kinder einzulassen. Bei aller Freude an ihrer Arbeit und dem teils großen Enthusiasmus der Schüler wüssten sie um die realistischen Grenzen ihrer archivpädagogischen Arbeit. Begrenzte Zeitressourcen und unterschiedlich ausgeprägtes Interesse der Schüler an den Geschichtsveranstaltungen im Archiv spielten hierbei eine Rolle.

Dr. Wolfgang Antweiler bei der Veranstaltung des AK Archivpädagogik und Historische Bildungsarbeit. Foto: VdA

Insbesondere bei Schülern der Sekundarstufe II solle die Neugier auf das Archiv geweckt, sowie die Hemmung abgebaut werden, diesen auch als Lernort aktiv zu begreifen – ein „Möglichkeitsraum“, der für alle Menschen offensteht. Die erarbeiteten Schülerprojekte würden der breiten Öffentlichkeit zumeist in kreativen Ausstellungen präsentiert. Aleksander Nedelkovski betonte die Wichtigkeit, als Archivpädagoge das Oberthema klar zu definieren. Gleichzeitig müsse man den Schülern aber genug Raum lassen, eigene Themen und Fragen zu entwickeln, an denen sie eigenständig arbeiten können.Weiterlesen

Interview mit Matthias Ripp

Beim 87. Deutschen Archivtag in Wolfsburg wird Matthias Ripp am Freitag, den 29. September, die Fortbildungsveranstaltung 6 leiten. Dort werden sich die TeilnehmerInnen mit der Rolle der Archive für das urbane kulturelle Erbe im Kontext der Welterbevermittlung befassen. Wir haben uns mit ihm darüber unterhalten:

Matthias Ripp

VdA: Beim Stichwort urbanes kulturelles Erbe denken viele vermutlich an historische Altstädte, etwa in Lübeck oder Bamberg. Was bedeutet der Begriff für Sie?

M.R.: Der Begriff urbanes kulturelles Erbe ist derzeit einem Bedeutungswandel unterzogen. Während der Anfänge der Denkmalpflege standen einzelne Monumente im Zentrum der Schutzbemühungen. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hat man dann angefangen in Ensembles zu denken und die vorerst baulichen Zusammenhänge mitzudenken. Heute im 21. Jahrhundert versteht man unter dem Begriff urbanes kulturelles Erbe vor allem auch im englischsprachigen Raum ein ganzheitliches System aus Artefakten, Bauten, immateriellen Dingen, Schriftgut, etc. das einem steten Wandel in seiner Bedeutung und Funktion für die Bürgerinnen und Bürger unterworfen ist.

VdA: In welcher Beziehung stehen die Archive zum urbanen kulturellen Erbe?

M.R.: Mit diesem sich abzeichnenden modernen Begriffsverständnis des kulturellen Erbes erlangen Archive zunehmend einen Bedeutungszuwachs. Oftmals logieren Archive in bedeutenden Baudenkmälern und haben eine materielle Funktion. Ihre Inhalte sind Teil des kollektiven Gedächtnisses und oft untrennbar mit materiellem oder immateriellem kulturellem Erbe verbunden. Archive sind somit oft ein essentieller Teil des urbanen kulturellen Erbes, auch wenn sie noch nicht immer so wahrgenommen werden.Weiterlesen