Gemeinsame Arbeitssitzung

Ein Gastbeitrag von Dr. Michael Häusler

Jedes Archiv hat eine Demokratie unterstützende Funktion und soll ihr gerecht werden. Dieses hohe Ideal formulierten sämtliche Beiträge der Gemeinsamen Arbeitssitzung, mit der der 88. Deutsche Archivtag in seine Sacharbeit einstieg. Zugleich machten die konkreten Beispiele deutlich, dass jedes Archiv, ob klein oder groß, an der Umsetzung dieses Ideals aktiv mitwirken kann.

Dr. Peter Quadflieg (Eupen) sprach zu „Autonomie und Archiv“. Foto: VdA

Die Zweigstelle des Belgischen Staatsarchivs in Eupen arbeitet am Aufbau einer Überlieferungsbildung für die Institutionen der kleinen Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. In seinem Vortrag beschrieb Dr. Peter Quadflieg die administrativen Rahmenbedingungen und praktischen Herausforderungen, die damit verbunden sind. Weiterlesen

Eröffnung des 88. Deutschen Archivtages

In der Stadthalle Rostock hat der VdA-Vorsitzende Ralf Jacob am Abend des 25. Septembers 2018 den 88. Deutschen Archivtag eröffnet. Im Mittelpunkt stand dabei der Vortrag von Eröffnungsredner Hans-Christian Ströbele, der eine Anbieterpflicht für Geheimdienstunterlagen forderte.

Eröffnungsredner Hans-Christian Ströbele. Foto: VdA

Zahlreiche Gäste aus Landes- und Lokalpolitik, Kultur, Wirtschaft, Kirche und Militär waren der Einladung des VdA gefolgt und nahmen an der offiziellen Eröffnungsveranstaltung im Saal 1 der Stadthalle Rostock teil. Zuerst begrüßte Ralf Jacob die Gäste und KongressteilnehmerInnen. In seiner Rede betonte der VdA-Vorsitzende, dass Archive für die demokratische Kultur unverzichtbar sind und forderte die KollegInnen dazu auf, vorhandene Spielräume zu nutzen.  Gesellschaftlichen Vorurteilen und Stereotypen müssten sich ArchivarInnen mithilfe der anvertrauten Unterlagen entschieden entgegenstellen.

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Sektionssitzung 1

Ein Gastbeitrag von Rico Quaschny

Die Sektionsitzung 1 widmete sich den Problemen einer verlässlichen Überlieferungsbildung bei der Übernahme. Leiter  Prof. Dr. Michael Scholz (Fachhochschule Potsdam) betonte, sie sei Grundvoraussetzung für die aktive Rolle von Archiven in einer demokratischen Gesellschaft.

Dr. Astrid Küntzel sprach über Grundsatzfragen und aktuelle Herausforderungen der Behördenarchive. Foto: VdA

Dr. Astrid Küntzel (Duisburg) thematisierte in ihrem Vortrag „Behördenarchive“, die bisher in der Fachdiskussion kaum systematisch behandelt wurden. Auf der einen Seite sind Behörden anbietungspflichtig. Verwahren sie jedoch ihre Unterlagen dauerhaft selbst, bestehe die Gefahr der Verselbstständigung ihrer Altregistraturen. Küntzel machte anhand verschiedener Beispiele deutlich, welche Problemfelder mit Behördenarchiven verbunden sind. Archive haben die Aufgabe Verstöße gegen Regelungen des Landesarchivgesetzes zu verhindern, mit den Behörden im Gespräch zu bleiben und Behördenarchive nur als Ausnahmen zuzulassen.Weiterlesen

Sektionssitzung 4

Ein Gastbeitrag von Peter Fauck

Freier Zugang zu Archivgut ist ein Anspruch, der von außen an Archive gerichtet, aber auch von Archiven an sich selbst gestellt wird. Die Möglichkeiten der digitalen Welt eröffnen neue Perspektiven für die Verbreitung von Informationen, zugleich aber auch spezifische Einschränkungen hinsichtlich des Daten- und Persönlichkeitsschutzes und des Schutzes von Geschäftsgeheimnissen. Im Spannungsfeld von Zugangsöffnung und -beschränkung bewegten sich die Beiträge dieser Sektionssitzung.

Pierre Maurice Augel referierte über das Rechtesystem in invenio. Foto: VdA

Das Bundesarchiv verfügt mit invenio über ein Werkzeug zur feingranularen Steuerung von Zugriffsrechten für die Recherche und Benutzung von mehreren Millionen Erschließungsdatensätzen und Digitalisaten. Pierre Maurice Augel erläuterte in seinem Vortrag die Funktionsweise des Systems und hinterfragte die Komplexität des Rechtemanagements aus der Perspektive der Archivmitarbeiter und aus Nutzersicht. Weiterlesen

Forum Ausbildung und Berufsbild

Ein Gastbeitrag von Kirsten Lehmkuhl

Das Forum „Ausbildung und Berufsbild“ fand in Wolfsburg mit seinen bewährten Bausteinen statt: der Podiumsdiskussion und der Vorstellung von Abschlussarbeiten aus den drei Archivlaufbahnen. Diesmal allerdings in anderer Reihenfolge, um der Podiumsdiskussion mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

„Wer macht denn eigentlich was? Berufsgruppen im Alltag zwischen Konkurrenz und Kooperation“ diskutiertem die drei Podiumsteilnehmer Kirsten Dehne (Münster), Vera Zahnhausen (Koblenz) und Vinzenz Lübben (Minden) als Vertreter der drei Laufbahngruppen. In der kurzweiligen Plenumsdiskussion wurden verschiedene Punkte angesprochen: Man war sich darüber einig, dass der Konkurrenzgedanke unter den Archivlaufbahnen (zumindest in ihren Archiven) keine Rolle spielt.

Neben der Podiumsdiskussion gab es Vorstellungen von Projekten und Abschlussarbeiten. Foto: VdA

Mitarbeiter vor allem des mittleren und gehobenen Dienstes würden jedoch bei gleichbleibender Bezahlung vermehrt übergeordnete Aufgaben wahrnehmen. Zu beobachten sei eine kritische Entwicklung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, da es immer häufiger zu Bewerbungen von Studienabsolventen auf Ausbildungsstellen im mittleren Dienst komme. Vera Zahnhausen äußerte daraufhin abschließend den Wunsch, dass starre Laufbahnrecht im Öffentlichen Dienst aufbrechen zu können um eine vereinfachte Durchlässigkeit in der Archivlandschaft zu ermöglichen.Weiterlesen

Sektionssitzung 2

Ein Gastbeitrag von Dr. Bettina Joergens

Dr. Ulrich Fischer (Potsdam) leitete die Sektion mit einem Rückblick auf zwei stark voneinander abweichende Positionen aus den 1990er Jahren zu der Frage, ob HistorikerInnen an Bewertungsentscheidungen von Archiven beteiligt werden sollen. Heute ist Partizipation ein viel geführtes Schlagwort, ein weiteres ist „Citizen Science“. Vor diesem Hintergrund stellten eine Archivarin und ein Archivar Konzepte und Beispiele zur Erschließung und Bewertung zur Diskussion.

„Überlieferungsbildung in Zeiten flüchtiger Strukturen“ war der Titel des Vortrags von Dr. Christine Axer. Foto: VdA

Den Anfang machte Dr. Christine Axer (Hamburg) mit einem Bericht über die sich verändernden Konzepte zur Systematisierung der Überlieferungsbildung „in Zeiten flüchtiger Strukturen“ auf der Basis von Archivierungs- und Bewertungsmodellen und an der immer neu auszulotenden Grenze zum Records Management in Behörden. Weiterlesen

Podiumsdiskussion

Ein Gastbeitrag von Christina Düring und Thomas Kübler

Zum Abschluss des 88. Deutschen Archivtages fand die mit Spannung erwartete Podiumsdiskussion zum Thema „Transparenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit – die Erforschung der Sicherheitsdienste als Gretchenfrage archivischer Identität“ statt, der noch viele Archivtagsteilnehmerinnen und Archivtagsteilnehmer folgten. Unter der Leitung von Dr. Hans-Christian Herrmann (Saarbrücken) diskutierten Dr. Michael Hollmann (Präsident des Bundesarchivs), Prof. Dr. Frank Überall (Bundesvorsitzender Deutscher Journalistenverband) und Prof. Dr. Constantin Goschler (Ruhr-Universität Bochum).

Die Teilnehmer an der Diskussionsrunde (v.l.n.r.): Prof. Dr. Constantin Goschler, Moderator Dr. Hans-Christian Herrmann, Prof. Dr. Frank Überall und Dr. Michael Hollmann. Foto: VdA

Der vierte Diskutant Lars Rohwer (Mitglied des Sächsischen Landtag und Vorsitzender des NSU-Untersuchungsausschusses) hatte kurzfristig absagen müssen, was letztlich und zwangsläufig zu einem veränderten inhaltlichen Diskussionsverlauf führen musste, da damit natürlich einer der hauptsächlichen, zeitgenössischen „Registraturbildner von Geheimakten“ fehlte.Weiterlesen

Vorschau auf lokalhistorischen Vortrag

Neben archivfachlichen Beiträgen wird es auf dem 87. Deutschen Archivtag auch in diesem Jahr wieder einen lokalhistorischen Vortrag geben. Thema: „Sich Einschreiben in die Demokratie. Bürgerbriefe an den Oberbürgermeister als Medium der politischen Teilhabe im Wolfsburg der 1950er/60er Jahre.“ Was genau darunter zu verstehen ist, erklärt Referent Dr. Alexander Kraus in diesem Beitrag. 

Direkt an die staatlichen Vertreter adressierte Bürgerbriefe sind – anders als beispielsweise Petitionen – in der bundesdeutschen Nachkriegsdemokratie im Grunde nicht vorgesehen. Es haftet ihnen im Zeitalter einer repräsentativen Demokratie etwas Vormodernes an; nicht selten wurden sie daher in ihrer frühen Rezeptionsgeschichte als anachronistische Überlieferungen einer längst vergangenen „Untertanenkultur“ beschrieben. Dabei gesteht Artikel 17 des Grundgesetzes einem jeden Bürger das Grundrecht zu, „sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden“.

Der Bürgermeister von Berlin-Kreuzberg, Willi Kressmann (l), übergibt zur Rathauseinweihung Oberstadtdirektor Wolfgang Hesse (r) einen Kummerkasten, Wolfsburg 1958. Foto: IZS

Das Bundesverfassungsgericht stärkte diese Position 1953 noch dahingehend, dass eine „ordnungsgemäß eingereichte Petition“ eine über eine bloße Empfangsbestätigung hinausreichende schriftliche Antwort erforderlich mache. Die Göttinger Kulturanthropologin Michaela Fenske liest denn auch gerade die Bürgerbriefe der Bonner Republik als wichtigen Schritt im Aushandlungsprozess der bundesdeutschen Nachkriegsdemokratie.Weiterlesen

Sommer-Spezial-Angebot für Neubucher

Für einen begrenzten Zeitraum macht die WMG Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH Neubuchern für den 87. Deutschen Archivtag 2017 ein besonderes Angebot: zum Kongressticket gibt es eine kostenlose Eintrittskarte für die Erlebniswelt Autostadt dazu.

Das Angebot gilt für alle, die sich zwischen dem 4. und 18. August neu für den Kongress registrieren. Dabei muss das Ticket nicht in der Zeit des Kongresses eingelöst werden, sondern ist bis Ende des Jahres 2017 gültig.
Zur Anmeldung geht es hier
. Bitte reservieren Sie nach erfolgter Registrierung das Ticket für die Autostadt per E-Mail unter: info@vda.archiv.net.

Die Autostadt vom Mittellandkanal aus gesehen. Foto: Richard Bartz

Die Erlebniswelt Autostadt ist gleichzeitig ein Auslieferungszentrum für Neuwagen, Museum und Freizeitpark. Sie gilt als eine der größten Attraktionen Wolfsburgs und hat seit ihrer Eröffnung im Jahr 2000 bereits 34 Millionen Besucher angelockt. Neben moderner Architektur und vielen Exponaten aus der Automobilgeschichte bietet die Autostadt ihren BesucherInnen auch regelmäßig Veranstaltungen zu ganz unterschiedlichen Themen.

Aktuelles: Frühbuchertarife enden/ erste Veranstaltungen ausgebucht

In der kommenden Woche läuft die Frist für den Fühbucherrabbat beim 87. Deutschen Archivtag aus. InteressentInnen können diesen bei der Online-Anmeldung noch bis zum Freitag, 23. Juni, nutzen. Die ersten Veranstaltungen sind bereits ausgebucht.

Spiegelsaal. Foto: CongressPark Wolfsburg

Wer einen Besuch der Fortbildungsveranstaltung 3: Personenbezogene Angaben in Archivgut und Erschließungsdaten: Einführung in das Benutzungsrecht und die Rechtsgrundlage bei der Internetpräsentation sowie Hinweise für die Praxis plant, sollte schnell handeln; noch sind wenige Plätze verfügbar.

Aufgrund begrenzter Kapazitäten ist es hingegen leider nicht mehr möglich, sich zum Internationalen Austausch zu archivfachlichen und -politischen Themen am Mittwochnachmittag anzumelden. Auch für die Fortbildungsveranstaltung 5: Pfade ins digitale Dickicht. Chancen und Herausforderungen bei der Erschließung mit Normdaten am Freitag können keine Anmeldungen mehr entgegengenommen werden.

Bei vielen anderen Veranstaltungen sind derzeit noch Restplätze verfügbar, diese werden nach Eingangsdatum der Anmeldungen verteilt. Über aktuelle Entwicklungen wird der VdA auch weiterhin hier auf dem Tagungsblog informieren.