Interview mit Alexander Herschung

Beim 87. Deutschen Archivtag ist der Software-Hersteller Startext bereits zum wiederholten Male Sponsor des Kongresses. Wir haben mit Inhaber und Geschäftsführer Alexander Herschung gesprochen.

Startext Inhaber & Geschäftsführer Alexander Herschung

VdA: In den vergangenen Jahren war Startext in unregelmäßigen Abständen bei verschiedenen Fachtagungen präsent. Der Deutsche Archivtag mit der Fachmesse ARCHIVISTICA ist für Sie ein fester Jahrestermin – was ist aus Ihrer Sicht das Alleinstellungsmerkmal der ARCHIVISTICA?

A.H.: Die Menge und Vielfältigkeit sowohl der Besucher, als auch der Vortrags- und Workshopthemen, sowie der teilnehmenden Aussteller zeichnen die Archivistica aus. Anregende archivfachliche Gespräche und Veranstaltungen sind ebenso garantiert, wie zahlreiche Kontakte zu unseren Kunden und Interessenten.

Ich verfolge in der startext eine eigene F&E-Strategie, wir  entwickeln  initiativ innovative Werkzeuge und Softwarekomponenten und freuen uns jährlich zur Archivistica auf die Gelegenheit, unsere Neuentwicklungen der Archivcommunity vorzustellen. In diesem Jahr präsentieren wir unser neuestes Produkt  COMO für die Übernahme unstrukturierter Dateisammlungen.

VdA: Das Archivwesen befindet sich in einem gewaltigen Wandel; in der Informationsgesellschaft wird der Dienstleistungsgedanke für die Archive immer wichtiger. Die Software muss ständig Schritt halten und entsprechend angepasst werden. Wünschen Sie sich nicht heimlich die Pionierzeit der Softwareanbieter zurück?Weiterlesen

„Ist das Archivgut – oder kann das weg?“

Sektionssitzung 2 zur Bewertung und Überlieferung von Massendaten und Massenakten.
Raimund Plache (sächsisches Staatsarchiv Chemnitz) führte in die Sektionssitzung ein, indem er den Titelfrage noch zuspitzte: „Sie wollen das doch nicht auch noch überliefern“. Eine Haltung gegenüber Massenakten, die auch dem deutschen Archivwesen nicht unbekannt war  – vgl. Stehkämpers „mißliebige Akten“.
Aktuell wird die Bedeutung von Massenakten nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt. Bei neuen Massenakten und -daten jedoch werden Archivwürdigkeit ermittelt, Quellenwert bemessen und eine wirtschaftlicher Bearbeitungs-Work-Flow erarbeitet.

Dr. Judith Matzke (Dresden): Zwischen Leistungsgewährung und Arbeitsvermittlung – Die Bewertungsfestlegungen für Unterlagen der Jobcenter (gE) im Sächsischen Staatsarchiv
Link zum Abstract


Nach dem Vermittlungsskandal in der Arbeitsverwaltung (2002), und den darauffolgenden Hartz-Reformen entstanden neue Strukturen in der Arbeitsverwaltung. Neben Agenturen für Arbeit wurden Jobcenter gebildet, die aus den 2005 gegründeten Arbeitsgemeinschaften (Arge) hervorgingen. Die Jobcenter zeichnen sich für die Leistungen nach dem Arbeitslosengeld II und für berufliche Wiedereingliederungsmaßnahmen verantwortlich.Weiterlesen

Bericht zur Sektionssitzung 1

Ein Gastbeitrag von Dr. Bastian Gillner

Sie sind traurige Realität in den meisten Archiven: Erschließungsrückstände, und davon meist eine ganze Menge. Sie entstehen durch eine hohe Arbeitsbelastung in den Archiven, die zu einer Priorisierung zwingt, welche aber zumeist nicht zu Gunsten der Erschließung ausfällt. Schließlich verursachen die ruhenden Bestände – im Unterschied zu den meisten anderen Aufgaben – erst einmal keinen Handlungsdruck. Möglichen Lösungen dieses Problems widmete sich die erste Sektionssitzung des Deutschen Archivtags 2017 unter dem Motto Im Rückstand – Was tun mit unseren „Altlasten“ und taugen unsere Standards?

Leiter Dr. Hans-Christian Herrmann und die Referentinnen. Foto: VdA

Jürgen Treffeisen vom Landesarchiv Baden-Württemberg Generallandesarchiv Karlsruhe eröffnete mit einem Paukenschlag: Im Generallandesarchiv Karlsruhe läuft die Erschließung größtenteils über nicht-ständige MitarbeiterInnen, deren Zahl bis zu 25 beträgt. Vorwiegend handelt es sich dabei um Hilfskräfte, angefangen bei ungelernten 1-Euro-Kräften bis hin zu AkademikerInnen mit höheren tariflichen Entlohnungen. Eingestellt werden diese MitarbeiterInnen nicht aus sozialen Gründen, sondern weil sie gute Arbeit leisten können. Auf ihre Motivation wird schon bei der Einstellung geachtet.

Verantwortlich für das Arbeitsergebnis sind die archivischen Betreuer, die eine laufende Qualitätssicherung zu gewährleisten und damit ihre Führungsaufgaben wahrzunehmen haben. Ungeachtet einer regen Fluktuation der nicht-selbständigen Mitarbeiter werden diese in vollem Umfang in die archivische Arbeitswelt einbezogen, um ein Zugehörigkeitsgefühl sicherzustellen. Mit einem Arbeitsaufwand von wöchentlich 8-10 Stunden könne eine Führungskraft somit eine Erschließungsleistung von jährlich 500-700 laufenden Metern verantworten.Weiterlesen

Gemeinsame Arbeitssitzung

Ein Gastbeitrag von Dr. Philip Haas

Der zweite Tag des Kongresses in Wolfsburg begann direkt mit einer großen Veranstaltung. In der einzigen Gemeinsamen Arbeitssitzung des 87. Deutschen Archivtags wurde aus verschiedenen Perspektiven der Umgang mit Überlieferungsmassen beleuchtet.

Zu Beginn der Arbeitssitzung stellte die Sektionsleiterin grundlegende Überlegungen zum Thema des diesjährigen Deutschen Archivtages an. Das Problem der Massenakte sei nicht neu, aber die digitale Massenakte stelle die Archivlandschaft vor neue Herausforderungen. Ein Königsweg zur nachhaltigen Überlieferungsbildung und digitalen Langzeitarchivierung stehe bislang noch aus.

Stieß auf großes Interesse: Die Gemeinsame Arbeitssitzung. Foto: VdA

Katharina Tiemann und Dr. Peter Worm vom LWL skizzierten die Schwierigkeit, vor welche digitale Massenakten gerade kleinere Kommunalarchive stellten und präsentierten ein mögliches Lösungskonzept am Beispiel des elektronischen Bewertungsprogramms „Anlei“ . Die Umstellung von Papier- auf eAkten verlange neue Strategien der Überlieferungsbildung in Form digitaler Bewertungssysteme. Angesichts beschränkter Ressourcen ermögliche ein „intelligentes Überlieferungswerkzeug“ die effektive Überlieferungsbildung mittels verschiedener Marker und Schnittstellen zur Übernahme der Metadaten. Es bestehe ein erhebliches Rationalisierungs- und Automatisierungspotenzial, sofern die Archive sich auf die technischen Entwicklungen einließen.Weiterlesen

Bericht zur Sektionssitzung 3

Ein Gastbeitrag von Dr. Antje Diener-Staeckling

„Automatisierung, wohin man blickt, aber in den Archiven und auch Bibliotheken wird noch viel im direkten Kundenkontakt erledigt.“ So führte Torsten Musial in die Sektion 3 ein. Welche Möglichkeiten die schöne neue Medienwelt liefern könnte, diesen Zustand zu ändern habe nicht zuletzt der Abendvortrag am ersten Veranstaltungstag gezeigt.

Es ist der heimliche Traum eines jeden Archivars, einer jeden Archivarin: Bei Massenakten muss nicht mehr jede Verzeichnungseinheit einzeln bearbeitet werden, sondern eine Software nimmt gleich ganze Akten-Gruppen auf. Genauso wird schon seit Jahren auf eine Software gehofft, die Handschriften entziffern kann. Die Entwicklungen der modernen Technik bieten nicht nur Möglichkeiten, sondern zeigen auch immer wieder neue Grenzen der Technik nicht nur im Archivbereich auf. Damit sei das Thema der 3. Sektion beim Deutschen Archivtag in Wolfsburg kurz umrissen.

Michael Aumüller vom Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim. Foto: VdA

Zu Beginn stellten Michael Aumüller und Ulrike Kühnle vom Grundbuchzentralarchiv Kornwestheim das Projekt „Rationelle Erfassung und Verwaltung massenförmiger Unterlagen“ im Grundbucharchiv vor. Ausgang war zunächst eine Anfrage bei den Justizbehörden des Landes Baden-Württemberg, den Hauptnutzern des Archivs. Daran orientiert wurden seit Mitte 2012 bis 2017 die Aufgaben von 663 Grundbuchämtern in 13 Amtsgerichte überführt und auf elektronische Bearbeitung umgestellt. Als Folge werden alle Papierunterlagen im Zentralgrundbucharchiv zusammengeführt.Weiterlesen

Gemeinsame Arbeitssitzung

Ein Gastbeitrag von Dr. Michael Häusler

Jedes Archiv hat eine Demokratie unterstützende Funktion und soll ihr gerecht werden. Dieses hohe Ideal formulierten sämtliche Beiträge der Gemeinsamen Arbeitssitzung, mit der der 88. Deutsche Archivtag in seine Sacharbeit einstieg. Zugleich machten die konkreten Beispiele deutlich, dass jedes Archiv, ob klein oder groß, an der Umsetzung dieses Ideals aktiv mitwirken kann.

Dr. Peter Quadflieg (Eupen) sprach zu „Autonomie und Archiv“. Foto: VdA

Die Zweigstelle des Belgischen Staatsarchivs in Eupen arbeitet am Aufbau einer Überlieferungsbildung für die Institutionen der kleinen Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. In seinem Vortrag beschrieb Dr. Peter Quadflieg die administrativen Rahmenbedingungen und praktischen Herausforderungen, die damit verbunden sind. Weiterlesen

Sektionssitzung 2

Ein Gastbeitrag von Dr. Bettina Joergens

Dr. Jörg-Uwe Fischer (Potsdam) leitete die Sektion mit einem Rückblick auf zwei stark voneinander abweichende Positionen aus den 1990er Jahren zu der Frage, ob HistorikerInnen an Bewertungsentscheidungen von Archiven beteiligt werden sollen. Heute ist Partizipation ein viel geführtes Schlagwort, ein weiteres ist „Citizen Science“. Vor diesem Hintergrund stellten eine Archivarin und ein Archivar Konzepte und Beispiele zur Erschließung und Bewertung zur Diskussion.

„Überlieferungsbildung in Zeiten flüchtiger Strukturen“ war der Titel des Vortrags von Dr. Christine Axer. Foto: VdA

Den Anfang machte Dr. Christine Axer (Hamburg) mit einem Bericht über die sich verändernden Konzepte zur Systematisierung der Überlieferungsbildung „in Zeiten flüchtiger Strukturen“ auf der Basis von Archivierungs- und Bewertungsmodellen und an der immer neu auszulotenden Grenze zum Records Management in Behörden. Weiterlesen

Sektionssitzung 1

Ein Gastbeitrag von Rico Quaschny

Die Sektionsitzung 1 widmete sich den Problemen einer verlässlichen Überlieferungsbildung bei der Übernahme. Leiter  Prof. Dr. Michael Scholz (Fachhochschule Potsdam) betonte, sie sei Grundvoraussetzung für die aktive Rolle von Archiven in einer demokratischen Gesellschaft.

Dr. Astrid Küntzel sprach über Grundsatzfragen und aktuelle Herausforderungen der Behördenarchive. Foto: VdA

Dr. Astrid Küntzel (Duisburg) thematisierte in ihrem Vortrag „Behördenarchive“, die bisher in der Fachdiskussion kaum systematisch behandelt wurden. Auf der einen Seite sind Behörden anbietungspflichtig. Verwahren sie jedoch ihre Unterlagen dauerhaft selbst, bestehe die Gefahr der Verselbstständigung ihrer Altregistraturen. Küntzel machte anhand verschiedener Beispiele deutlich, welche Problemfelder mit Behördenarchiven verbunden sind. Archive haben die Aufgabe Verstöße gegen Regelungen des Landesarchivgesetzes zu verhindern, mit den Behörden im Gespräch zu bleiben und Behördenarchive nur als Ausnahmen zuzulassen.Weiterlesen

Eröffnung des 87. Deutschen Archivtages

Der VdA-Vorsitzende Ralf Jacob hat am Abend des 27. September den 87. Deutschen Archivtag in Wolfsburg eröffnet. Nach verschiedenen Grußworten stand der Eröffnungsvortrag von VW-Manager Johan Jungwirth im Zentrum der Veranstaltung. Der Einladung zur Eröffnung im CongressPark Wolfsburg waren viele Gäste aus der Landes- und Lokalpolitik sowie Vertreter der Kultur und Wirtschaft gefolgt.

Blickt optimistisch in die Zukunft: Volkswagen-CDO Johan Jungwirth. Foto: VdA

Als Chief Digital Officer der Volkswagen AG schilderte Jungwirth den Weg ins digitale Zeitalter am Beispiel seines Unternehmens. Dabei zeichnete er ein optimistisches Bild der Zukunft, welches durch die Errungenschaften der Digitalisierung geprägt ist. Jungwirth prognostizierte, dass sowohl in der Automobilindustrie als auch generell die Bedeutung von Software immer weiter zunimmt und schon bald dominierend sein wird. Für alle Beteiligten müsse bei dieser Entwicklung immer gelten: der Mensch steht im Mittelpunkt – erst danach käme das digitale Produkt und dann die digitalen Unternehmen bzw. Institutionen.Weiterlesen

Rückblick: Medienresonanz

Der 87. Deutsche Archivtag 2017 ist vorüber. Gut 50 Einzelveranstaltungen in drei Tagen bot das Programm den TeilnehmerInnen. Besprochen und diskutiert wurde der Kongress von diesen in den sozialen Netzwerken, doch auch die klassischen Medien berichteten. Ein kurzer Rückblick auf die Medienresonanz zum Kongress in Wolfsburg.

Noch am Abend des 27. Septembers erschien in der Online-Ausgabe der Braunschweiger Zeitung und ihren lokalen Versionen Helmstädter Nachrichten und Wolsburger Nachrichten ein Artikel zur Eröffnungsveranstaltung des Archivtags:

Der Artikel der Braunschweiger Zeitung/ Wolfsburger Nachrichten kann hier online abgerufen werden: Wie die Welt durch Digital-Archive besser wird

Ebenfalls der Eröffnungsveranstaltung widmeten sich zwei Artikel in der Printausgabe der Wolfsburger Allgemeinen vom 28. September: „Sie und wir können die Welt verbessern“ [zum Vortrag von Johan Jungwirth]

Gar nicht angestaubt: 700 Archivare aus aller Welt in Wolfsburg [zu Eröffnung und Kongress allgemein]Weiterlesen