Eröffnung des 88. Deutschen Archivtages

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In der Stadthalle Rostock hat der VdA-Vorsitzende Ralf Jacob am Abend des 25. Septembers 2018 den 88. Deutschen Archivtag eröffnet. Im Mittelpunkt stand dabei der Vortrag von Eröffnungsredner Hans-Christian Ströbele, der eine Anbieterpflicht für Geheimdienstunterlagen forderte.

Eröffnungsredner Hans-Christian Ströbele. Foto: VdA

Zahlreiche Gäste aus Landes- und Lokalpolitik, Kultur, Wirtschaft, Kirche und Militär waren der Einladung des VdA gefolgt und nahmen an der offiziellen Eröffnungsveranstaltung im Saal 1 der Stadthalle Rostock teil. Zuerst begrüßte Ralf Jacob die Gäste und KongressteilnehmerInnen. In seiner Rede betonte der VdA-Vorsitzende, dass Archive für die demokratische Kultur unverzichtbar sind und forderte die KollegInnen dazu auf, vorhandene Spielräume zu nutzen.  Gesellschaftlichen Vorurteilen und Stereotypen müssten sich ArchivarInnen mithilfe der anvertrauten Unterlagen entschieden entgegenstellen.

Der VdA-Vorsitzende Ralf Jacob eröffnet den 88. Deutschen Archivtag in Rostock. Foto: VdA

Bei den anschließenden Grußworten war der für das Archivwesen zuständige Rostocker Senator Steffen Bockhahn der erste Redner. Er wies auf die lange Tradition des Rostocker Archivwesens hin und freute sich, den Archivtag anlässlich des 800. Stadtjubiläums in der Hanse- und Universitätsstadt begrüßen zu dürfen. Birgit Hesse, Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg Vorpommerns, spielte auf das Kongressmotto verlässlich, richtig, echt – Demokratie braucht Archive an. Gesellschaftliche Debatten bräuchten Bezugspunkte, diese wiederum seien in den Archiven zu verorten. Dr. Paweł Gut als Vertreter der ausländischen Kongressgäste betonte die Wichtigkeit der europäischen Vernetzung im Archivwesen und schloss damit die Riege der GrußwortrednerInnen.

Ministerin Birgit Hesse überbrachte die Grüße des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Foto: VdA

Es folgte die Eröffnungsrede des Grünen-Politikers und ehemaligen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele zum Thema Geheimdienstakten ins Bundesarchiv – Neuregelung des Archivrechts. Grundlage des Vortrages war die These Kants, dass nur eine republikanische (also demokratische) Staatsform Frieden dauerhaft sichern könne. Damit die BürgerInnen als Souverän gute Entscheidung in einer Demokratie treffen könnten, müssten sie Zugang zum gesamten Herrschaftswissen haben.

Aktuell, so Ströbele, würden in Deutschland viele Unterlagen der Nachrichtendienste nicht den Archiven angeboten und stünden somit später nicht für Forschung, Journalismus und parlamentarische Aufarbeitung der Geheimdienstarbeit zur Verfügung. Die Archive seien das Gedächtnis, die NutzerInnen das Gewissen einer Demokratie. „Aber was nützt ein Gewissen, wenn große Teile des Gedächtnisses fehlen?“ fragte Ströbele die BesucherInnen. Archive hätten eine Kontrollfunktion für die Vergangenheit, würden damit aber immer die Gegenwart mitgestalten.

Kaum noch Plätze: Die Eröffnungsveranstaltung war gut besucht. Foto: VdA

Als klare Forderungen nannte Ströbele daher, die Nachrichtendienste zu verpflichten, ihre Akten dem Bundesarchiv anzubieten. Die Akten sollten nicht von den Diensten selbst, sondern von einer unabhängigen Stelle bewertet werden. Ferner solle das das Bundesarchiv langfristig in eine eigenständige Körperschaft überführt werden, um so dessen Unabhängigkeit zu stärken. Dies, so Ströbele, seien weder leichte, noch schnell zu bewältigende Aufgaben. Dem Archivwesen und seinen VertreterInnen wünschte er abschließend Geduld und Ausdauer, um zukünftige Gesetzgebungsverfahren im Sinne der Gesellschaft mitzugestalten.

Eröffnungsveranstaltung

Dienstag, 25. September 18:30 bis 20:00 Uhr
Stadthalle Rostock / Saal 1

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