Das Rostocker Universitätsarchiv

Allgemein, Archive stellen sich vor, Hochschularchive

Text: Dr. Angela Hartwig / Bearbeitung: VdA

Das Universitätsarchiv Rostock beherbergt mit seinen historischen Beständen das Gedächtnis einer der ältesten Hochschulen Deutschlands und des Ostseeraumes. Es bewahrt mehr als 3000 laufende Meter Akten und über 100 Urkunden welche die Entwicklung der im Jahr 1419 gegründeten Universität widerspiegeln.

Eingangsbereich nach der Restaurierung 2014. Foto: Universität Rostock

Das Archiv der Universität Rostock hat eine lange Tradition. Schon in den Statuten des 15. Jahrhunderts wird von einer arca oder Kiste gesprochen, in der wichtige Urkunden und die Matrikel aufbewahrt wurden. 1878 erließ das engere Konzil die erste Archivordnung und richtete ein Archiv ein, für das der Rektor verantwortlich war.
1947 beauftragte der Rektor den Aufbau des Universitätsarchivs. Zunächst wurde die Rückführung der während des Krieges ausgelagerten Bestände organisiert, die Ordnung wiederhergestellt und mit der Übernahme der Fakultätsarchive begonnen. Danach folgte die Übernahme des Registraturguts der Hochschule bis zum Jahre 1945 und dessen Ordnung. Eine Erschließung und Verzeichnung der umfangreichen Bestände blieb zunächst aus.

Die Entwicklung der Universität Rostock zu einer „sozialistischen“ Hochschule in den 1950er- und 1960er-Jahren wurde durch personelle und strukturelle Veränderungen durchgesetzt. Von 1963 bis 1980 folgten Entscheidungen, die die Bestände nachhaltig veränderten, wie u. a. die Zerstörung von Provenienzen oder willkürliche Auflösung und Neubildung von Akten.

Die gesellschaftliche Wende 1989/90 führte im Rostocker Universitätsarchiv zu grundlegenden Veränderungen. Weitere Bestände wurden übernommen, der unbefriedigende Erschließungs- und Verzeichnungszustand musste überwunden und Findhilfsmittel erarbeitet werden. In den 1990er-Jahren wurde ein Großteil der Bestände von 1419 bis ca. 1980 verzeichnet und in eine Datenbank eingepflegt.Seit 1992 ist das Universitätsarchiv der Universitätsbibliothek Rostock angegliedert.

Das Universitätsarchiv befindet sich im Hauptgebäude, wo 2014 nach der umfangreichen Sanierung des Hauses die Arbeitsräume, der Benutzersaal und das Magazin für die historischen Bestände eingerichtet wurden. Ein Außenmagazin bietet Platz für weitere 1500 lfm Archivgut sowie Registraturgutübernahmen.

Urkundenmagazin nach 2014. Foto: Universität Rostock

2010 hat das Universitätsarchiv eine Bestandsübersicht vorlegt: Erstmals wurden die Archivbestände ihrem historischen Strukturzusammenhang entsprechend durch Reihung und Gliederung in eine systematische Ordnung gebracht und beschrieben. Seit Sommer 2006 sind die erschlossenen Bestände auch im FindbuchNET verfügbar.

Gemeinsam mit der Universitätsbibliothek wird am Aufbau eines digitalen Archivs gearbeitet. Außerdem begleitet das Archiv den Prozess der Umsetzung eines digitalen Gesamtaktenplans der Universität als Voraussetzung für die Einführung von E-Verwaltung und des ECMS d.3ecm. In Vorbereitung des 600. Universitätsgeburtstags hat das Universitätsarchiv Quellen aus seinen Beständen erschlossen und in Portalen online bereitgestellt.

Aus den lückenlos überlieferten Matrikelbüchern und Studentenkarteien wurde das Matrikelportal (MPR) entwickelt, in dem ca. 200.000 Personenzeugnissen von 1419 bis 2017 zugänglich gemacht werden. Mit dem Catalogus Professorum Rostochiensium (CPR) ist ein biographisches Online-Lexikon zu Rostocker Professoren der Jahre 1563 bis 2018 mit aktuell 2300 Personeneinträgen entstanden, in dem auch Übersichten zu den Rektoren, Dekanen und Kanzlern der Universität aufgelistet sind.

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