Eröffnungsveranstaltung 89. Deutscher Archivtag in Suhl

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Am Abend des 17. Septembers 2019 eröffnete der VdA-Vorsitzende Ralf Jacob den 89. Deutschen Archivtag in Suhl. In seinem Eröffnungsvortrag sprach Prof. Dr. Götz Aly über seine Beziehungen zu geliebten Archivlesesälen, die Bedeutung des Zufalls bei der Recherche und über das Hineinversetzungsvermögen als Voraussetzung für professionelle historische Forschung. „So schlecht steht unser Archivwesen nicht da“ resümierte Prof. Aly, bevor er die ArchivtagsteilnehmerInnen ehrte und anspornte: „Ich verbeuge mich vor Ihnen. Machen Sie weiter so!“

Eröffnungsredner Prof. Dr. Götz Aly

Im Großen Saal des Congress Centrums Suhl begrüßte Ralf Jacob die KongressteilnehmerInnen sowie zahlreiche Gäste bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung des 89. Deutschen Archivtags. In seiner Ansprache betonte er, dass die Bedeutung rechtlicher Themen bei der Arbeit der ArchivarInnen immer weiter zunimmt. Zweck des Archivtages sei es daher, den KollegInnen Orientierung und Hilfestellung für die tägliche Arbeit im Archiv zu bieten.

Das erste Grußwort überbrachte der Suhler Oberbürgermeister André Knapp. Er hieß die TeilnehmerInnen herzlich willkommen und berichtete über die wechselvolle Geschichte des Stadtarchivs Suhl. Mit dem Um- und Ausbau des Portalgebäudes kehre das Gedächtnis zurück in das Herz der Stadt, freute sich Knapp und lud schon heute zu einem Besuch des neuen Stadtarchivs ein.

Der Suhler Oberbürgermeister André Knapp

Prof. Dr. Benjamin Immanuel Hoff, Chef der Thüringer Staatskanzlei und Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten des Freistaates Thüringen, nahm in seinem Grußwort Bezug auf die Aussage des Journalisten Heribert Prantl, der darauf hinwies, dass das Archivwesen nicht als „Arche Noah für den Gilb und die Langeweile“ anzusehen sei. Er habe im Rahmen der Strukturreformarbeit in Thüringen „Respekt gelernt vor der Arbeit von Archivaren“ und wisse um die Vielfalt der Aufgabe der modernen Archivarbeit. Es sei die Aufgabe der Landespolitik, „dafür zu sorgen, jede frei werdende Stelle in Archiven auch wieder zu besetzen“.

Minister Prof. Dr. Benjamin Immanuel Hoff

Anthea Seles, amtierende Generalsekretärin des International Council on Archives (ICA) verwies auf die steigende Bedeutung, sich international zu vernetzen und die Beziehungen untereinander zu stärken. Sie sprach den ArchivtagsteilnehmerInnen Mut zu, existierende Arbeitsprozesse zu hinterfragen, sich Herausforderungen in einer „world of post-truth“ zustellen und keine Angst vor Rückschlägen zu haben. Gleichzeitig bestärkte sie ihre KollegInnen aus deutschen Archiven darin, Perfektionsbestrebungen auch mal ad acta zu legen und den Blick darauf zu richten „where we work well“.

Prof. Aly nahm seine Zuhörer mit auf eine Reise durch eine mehr als 40 Jahre andauernde Beziehung eines Historikers zu den Quellen seiner und unserer Geschichte. Er schilderte anhand bestimmter Forschungserfahrungen mit sensiblem Archivgut in europäischen Archiven, warum intensive forschende Arbeit in Archiven für Historiker von so großer, ja essentieller Bedeutung ist. Auch dann, wenn man geneigt ist „stracks geradeaus zu arbeiten“, begegne der Historiker auf seiner Fährte dem Zufall im Archiv und dieser könne zu erstaunlichen Resultaten führen. „Meine biographischen Bücher sind alle zufällig entstanden“, gab Aly zu bedenken. Meist hätte dabei ein Zufallsfund im Archiv am Anfang gestanden.

Er mahnte, nicht vorschnell historische Ereignisse aus der Gewissheit heutiger Relevanzzusammenhänge und –maßstäber zu deuten. Die Aufgabe der Archive sei es, zukünftigen Generationen zu ermöglichen, sich in andere Zeiten und Welten hineinzuversetzen. „Was heute bedeutend ist, darauf kommt es überhaupt nicht an.“

Eröffnungsveranstaltung

Dienstag, 17. September 18:30 bis 20:00 Uhr
Congress Centrum Suhl/ Großer Saal

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